Das liebe Wetter Teil 1: Gewitter

Dieses kleine „Wölkchen“ machte etwa 15 Minuten nach der Aufnahme ordentlich Ärger – Hagel, Sturm, Blitz und Donner.

Die unangenehmste Form von Wetter ist für mich das Gewitter. Neben Lärm, spektakulären Blitzen, Sturm und viel, viel Regen (wahlweise auch Hagel) kann es einen auch schnell in echte Lebensgefahr bringen. Ein Gewitter möchtest du draußen lieber nicht erleben.

Trotz allem kann es dich unvermittelt überraschen, so wie mich neulich.

Als ich an meinem Platz war, deutete nichts auf ein Gewitter hin. Es gab zwar im Wetterbericht eine Ansage von wegen Schauerwetter. Daher habe ich hier und da auf meinem tablet einen Blick auf die Wetterkarte geworfen. Aber da war außer ein paar kleinen Schauerwolken nichts zu sehen. Also saß ich entspannt im Wald und beobachtete zwei Rehe, die Sonne schien – und plötzlich donnerte es hinter mir. Und zwar richtig laut.

Ein schneller Blick auf den Regenradar zeigte mir, dass sich eine der „kleinen Schauerwolken“ innerhalb kurzer Zeit zu einem Gewitter gemausert hatte und in meine Richtung zog. Jetzt gab es plötzlich auch eine Unwetterwarnung. Zwar war dieses Gewitter eins von der kleineren Sorte, aber Blitz ist Blitz und wenn er trifft, ist das sehr lästig. Also hüpfte ich von meinem Baumstamm und machte mich auf den Rückweg.

Viel sehen vom Gewitter konnte ich nicht, Wald eben. Es kamen aber erste Windböen auf und die Temperatur sank, Zeichen dafür, dass das Gewitter recht nahe war. Ich hatte jetzt drei Möglichkeiten: Eine Schutzhütte aufzusuchen, die nächstgelegene lag aber auf einer Anhöhe und war umgeben von sehr hohen Bäumen. Nicht gut. Einen tiefer gelegenen Bereich aufzusuchen und dort in Schutzhaltung abzuwarten. Oder mit einem schnellen Sprint das Auto noch vorher zu erreichen.

Ich entschied mich für das Auto, da es nicht weit entfernt war und ich somit eine reelle Chance hatte, es noch rechtzeitig zu erreichen. Ein geschlossener Raum ist letztlich immer das Sicherste. Ich nahm aber den Weg durch ein breites Tal, wodurch ich von weniger hohen Bäumen umgeben war, für den Fall der Fälle. Wäre das Auto nicht so nah gewesen, hätte ich mir wohl eine halbwegs günstige Stelle im Wald ausgesucht und abgewartet. Ein Restrisiko bleibt natürlich immer, egal wie man sich entscheidet.

Trotz eines flotten Sprints reichte es dann doch nicht ganz: Etwa 100 Meter vor dem Ziel brach das Unheil los. Aber dank meiner famosen Gürteltasche nebst Schlüsselkette hatte ich den Schlüssel sofort griffbereit und konnte ins Auto hechten.

Uff.

Dass ich von dem aufziehenden Gewitter erst so spät etwas gemerkt hatte, lag daran, dass ich im Wald mit seinem dichten Laub den Himmel schlichtweg nicht sehen konnte. Zudem hatte ich es im Rücken gehabt und es hatte kein einziges Mal vorher gegrummelt (auch Gewitter halten sich nicht immer an die Regeln). Die Situation zeigt außerdem, dass Gewitter nicht zwangsläufig von irgendwo her gezogen kommen. Sie können sich auch an Ort und Stelle bilden, und das je nach Wetterlage recht schnell.

Wie solltest du dich nun am besten verhalten, falls dir mal Ähnliches passiert?

Der beste Schutz ist, ein Gewitter als potentielle Gefahr zu respektieren (das passiert heute meiner Meinung nach viel zu wenig), aufmerksam zu sein und sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

Das Erste ist, sich vor einer Tour über das Wetter zu informieren, indem du den Wetterbericht hörst oder ins Netz schaust. Das solltest du immer tun, bevor du raus gehst. Gewitter können übrigens zu jeder Jahreszeit entstehen.

Spitze im Gelände die Ohren, ob es irgendwo grummelt. Tagsüber kann man den Donner viel eher hören als dass man den Blitz sieht. Auch sonst kündigen sich Gewitter an, zumindest meistens: Achte auf veränderte Lichtverhältnisse, Windböen, Temperaturabfälle.

Kannst du den Himmel sehen, solltest du beim Auftauchen „verdächtiger“ Wolkenberge kurz im Netz die Lage checken (Regenradar, Unwetterwarnung, die meisten Handys sind ja heute netzfähig). So verschaffst du dir die nötige Zeit zum Handeln.

Spätestens beim ersten Grummeln solltest du dich in Richtung eines sicheren Ortes (geschlossenes Gebäude, Auto) aufmachen. Das hat nichts mit Feigheit zu tun, sondern ist einfach nur vernünftig. Informiere dich vorher, wo Schutzhütten, Gasthäuser o. ä. vorhanden sind und wie schnell du sie erreichen kannst. Auch das gehört zu einer guten Tourenplanung, egal ob du wandern gehst oder nur kurz im Wald nebenan bist.

Bist du an, auf oder im Wasser, entferne dich schnell davon. Hier ist es noch wichtiger, dass du aufmerksam bist, weil du wahrscheinlich mehr Zeit brauchen wirst, um dich in Sicherheit zu bringen.

Die Entfernung eines Blitzes kannst du nach einer altbekannten Formel abschätzen: Nimm die Zeit zwischen Blitz und Donner in Sekunden und teile sie durch drei. Das ergibt die ungefähre Entfernung in km. Aber: Gewitterwolken sind groß. Der nächste Blitz kann an einer anderen Stelle der Wolke austreten und dann schon bedeutend näher sein. Zudem kann es sein, das du bei Tageslicht den Blitz nicht siehst und daher die Entfernung nicht abschätzen kannst.

Warte daher nicht mehr zu lange, wenn es grummelt. Gewitter können verdammt schnell sein. Wenn zwischen Blitz und Donner weniger als 10 Sekunden (~ 3,3 km Entfernung) liegen, wird es bereits sehr eng. Ab da solltest du die nächstmögliche sichere Unterkunft erreicht haben.

Wenn es dich doch mal draußen erwischt, bleib ruhig.

Ich weiß, das ist leicht gesagt, wenn der Regen rauscht und es blitzt und knallt, dass einem vor Schreck die Luft wegbleibt.

Hast du kein Dach über dem Kopf, wenn es losgeht, suche dir einen tiefer gelegenen Bereich.

Täler und Senken sind gut geeignet. Wichtig ist, dass die Umgebung deutlich höher liegt und kein Baum o. ä. aus der Senke heraus und die Umgebung überragt. Achtung: Schmale Tälchen, trockene Bachbetten und kleine Vertiefungen können sehr schnell mit Wasser volllaufen.

Wann immer du bei Gewitter draußen bist, nimm Schutzstellung ein: Hinhocken, Füße geschlossen, Arme um die Knie, Kopf einziehen.

Diese Stellung wird grundsätzlich empfohlen. In der Praxis ist es aber nicht so einfach, sie über längere Zeit durchzuhalten. Es schlafen einem die Beine ein, man verliert das Gleichgewicht, der Regen läuft überall hin. Eine harte Prüfung, aber halte durch.

Denn in dieser Stellung bietest du dem Blitz nicht so schnell ein Ziel. Die geschlossenen Füße sind dabei sehr wichtig. Wenn ein Blitz zum Beispiel in die Erde schlägt, entsteht am Einschlagsort eine sehr hohe Spannung, die mit zunehmender Entfernung abnimmt. Heißt: Einen Meter vom Einschlagsort entfernt ist am Boden eine höhere Spannung vorhanden als in zwei Metern Entfernung. Für ein Lebewesen mit zwei Beinen bedeutet das: Steht man im Bereich eines Blitzschlags, kommt unter Umständen an einem Bein mehr Energie an als am anderen Bein. Es entsteht die sogenannte „Schrittspannung“, eine Potentialdifferenz, die sich ausgleicht, indem Strom durch deinen Körper fließt. Je größer sie ist, desto schlimmer sind die Auswirkungen. Deshalb solltest du dich auch auf keinen Fall hinlegen. Statt dessen: Hinhocken, Kopf runter, Füße zusammen. Immer.

Entferne alle Metallgegenstände.

Das sind Schlüssel, Uhren, Handy, Schirm, Schmuck, usw. Stopfe sie in eine Plastiktüte, falls du eine griffbereit hast. Wenn nicht, egal. Wirf die Gegenstände mehrere Meter weit von dir weg.

Meide hohe Bäume, Masten etc. Ist das nicht möglich, halte mindestens 20 m Abstand.

Denn der Blitz schlägt meist in die höchste Stelle ein. Je nach Gegenstand kann der Strom über die Oberfläche in die Erde abgeleitet werden. Dann entsteht auch hier rund um den Gegenstand die oben beschriebene Schrittspannung. Bäume können zudem durch schlagartiges Verdampfen des Wassers im Holz regelrecht explodieren.

Halte mindestens 3 m Abstand zu den Wänden und dem Eingang einer Schutzhütte, zu anderen Personen, Tieren, etc.

Ein Blitz kann von einem Gegenstand (oder Lebewesen) zum anderen überspringen, zum Beispiel vom offenen Eingang der Schutzhütte zu dir. Auch hier solltest du daher immer Schutzhaltung einnehmen. Befindest du dich in einer Hütte, halte dich möglichst in der Mitte auf. Achtung: Hütten, die den höchsten Punkt bilden, also zum Beispiel allein auf einem Hügel, sind nicht geeignet!

Im Wald mit einem gleichmäßig hohen Baumbestand soll man sicherer sein als in freiem Gelände. Trotzdem ist ein Blitzschlag hier natürlich genauso möglich, denn es sind einfach viele potentielle Ziele für den Blitz vorhanden. Außerdem kann einen zusätzlich noch ein herabfallender Ast oder ein umstürzender Baum treffen. Auch nicht schön. Im Wald empfiehlt es sich, einen Bereich mit jungen Bäumen aufzusuchen. Die sind kleiner und die Gefahr von herabstürzenden Ästen oder umstürzenden Bäumen ist ebenfalls geringer. Aber auch hier gilt: Mindestens drei Meter Abstand zum nächsten Baum, etc, und Schutzhaltung einnehmen!

Und ein sehr wichtiger Punkt aus eigener, vielfacher Erfahrung:

Es gibt oft noch einen Nachschlag.

Tendenziell gehen wir davon aus, dass die Blitze immer an der gleichen Stelle aus der Gewitterwolke austreten. Tatsache ist: Eine solche Wolke kann mehrere Quadratkilometer Ausdehnung haben und theoretisch kann an jeder Stelle ein Blitz erscheinen. Deshalb: Auch wenn der Regen aufhört und die Sonne wieder scheint, warte noch etwas, idealerweise, bis wieder mindestens 10 Sekunden zwischen Blitz und Donner liegen. Sonst geht es dir möglicherweise wie mir: Ich kam nach einem Gewitter mitsamt Pferd aus dem Stall, es war trocken und sonnig, aber es donnerte noch recht laut. Im nächsten Augenblick schlug etwa 200 Meter von mir entfernt ein Blitz in die Wiese, bei strahlendem Sonnenschein. Das laute Zischen und den mächtigen Knall habe ich bis heute im Ohr. Daher: Warte erst mal ab, bevor du dich wieder hervortraust.

So, das war eine Menge an Holz. Aber du siehst, was alles beachtet werden will, wenn dich ein Gewitter draußen überrascht. Lasse es also besser gar nicht erst soweit kommen. Dann bist du auf jeden Fall auf der sicheren Seite.



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