Die Sache mit den Wespen…

Gruben mit herumliegenden "Papierfetzen" könnten einen ungesunden Inhalt haben - zum Beispiel einen Haufen mies gelaunter Wespen.

Achtung Wespen! Diese Grube hat es in sich…

… oder was beim Anblick eines aufgegrabenen Wespennestes passieren kann.

Abenteuer gibt es draußen genug. In der Regel dann, wenn man gar nicht damit rechnet. So ließ ich gestern nichts ahnend die Ponies auf die Koppel. Aber irgendetwas war anders. Auf der Koppel lagen überall kleine graubraune „Papierfetzen“, so sah es zumindest aus. Bei näherem Hinsehen entpuppten sie sich jedoch als Wabenreste eines Wespennestes, das offenbar von einem Dachs ausgegraben wurde.

Nicht nur ich entdeckte die herum liegenden Waben, auch die Ponies hatten sie gesehen und stürzten sich interessiert schnorchelnd darauf. Ein paar Meter daneben war ein ziemlich großes Loch, auf dem Boden krabbelte eine Unmenge mehr oder weniger fertiger Wespen.

Ich bin ja nicht der große Insektenkenner, aber ein Blick auf das Gekrabbel sagte mir, dass ich es hier vermutlich mit der Gemeinen Wespe zu tun hatte (gemein im Sinne von gewöhnlich, obwohl gemeingefährlich einem ja doch immer wieder im Kopf herum spukt). Diese Wespen werden gelegentlich auch als „Erdwespen“ bezeichnet, weil sie ihre Nester öfter im Boden anlegen.

Im Klartext hieß das: Diese Wespenart ist diejenige, die im Gegensatz zu anderen Wespen schneller mal etwas übel nehmen könnte und entsprechend mies gelaunt ist. Und ein aufgegrabenes Nest ist definitiv ein Grund für schlechte Laune!

Zudem lag das Loch zwar direkt am (mobilen) Stromzaun, aber ausgerechnet auf der Seite, auf der auch die Ponies grasten. Um also zu verhindern, dass die neugierigen Fellnasen die Wespen ausgiebig beschnüffeln (und dabei natürlich anpusten, etwas, was Wespen gar nicht mögen) und anschließend gründlich gestochen werden, musste der Zaun versetzt werden. Abgesehen davon konnte ich nur so verhindern, dass einer der vierbeinigen Schlaumeier aus Versehen in das Loch tritt.

Wer schon mal mit wütenden Wespen zu tun hatte, weiß, was es bedeutet, sich so einem Schwarm zu nähern. Diese hier waren vermutlich nur so „ruhig“, weil es kalt war und ihr Ableben kurz bevor stand. Unter anderen Bedingungen wären sie mit großer Wahrscheinlichkeit weniger zurückhaltend gewesen.

Ich schlich also todesmutig näher und besah mir den Schaden.

Der Dachs hatte ganze Arbeit geleistet. Das Loch war geschätzte 60 cm tief und ziemlich breit. Am Rand sah man noch die Spuren von seinen Krallen. Überall lagen Wabenreste herum. Ich machte ein paar Fotos (ganz die Fährtenleserin), löste dann vorsichtig und gaaanz langsam einen Zaunpfahl aus der Erde und versetzte ihn ein Stück. Das reichte leider nicht, es mussten noch zwei weitere Pfähle versetzt werden. Also weiter.

Wabenreste, die einfach so auf der Wiese liegen, könnten bewacht werden.

Wabenreste neben dem aufgegrabenen Loch.

Ich war gerade fertig mit der Operation, da entschied sich eine einzelne Wespe dazu, mich doch mal zu attackieren. Ich vermute, sie saß an einem der Zaunpfähle und hat die Erschütterung irgendwie krumm genommen. Sie summte wütend auf mich zu und jagte mich gefühlt mehrere Minuten lang kreuz und quer über die Koppel. Die Ponies standen derweil am Rand und beobachteten mich interessiert („Was tut es da?“).

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Wespen dieser Art eine enorme Ausdauer haben, wenn es darum geht, einen Störenfried durch die Pampa zu jagen. Es gab da mal einen kleinen „Zwischenfall“ mit einem Kollegen, der das Vergnügen hatte, in ein Erdwespennest zu treten. Was dann folgte, war wirklich beeindruckend und endete beim Arzt.

Zu Glück war es in meinem Fall nur eine einzige Wespe und nicht gleich ein ganzer Schwarm.

Schließlich gab sie dann doch stichlos auf auf und ich musste erst mal wieder zu Atem kommen. Ein Wunder, dass ich überhaupt so lange durchgehalten hatte, da mir eine Grippe in den Knochen steckte. Aber man glaubt gar nicht, was man alles kann, wenn einem die Wespen auf den Fersen sind. Mein Kollege kann das bestätigen.

Und die Moral von der Geschicht: Auch wenn es in Comics immer so lustig aussieht, wenn jemand von Wespen gejagt wird, ist das in der Realität keine wirklich lustige Sache (auch wenn den Zuschauern durchaus was geboten wird).

Darum: Wenn du in der Feldmark oder auch im Wald unterwegs bist, achte darauf, wohin du deine Füße setzt.

Oft genug nisten Wespen in verlassenen Maulwurf- oder Mauselöchern im Wald, schön unter Laub verborgen, auch an Wegrändern. Die Nester kann man aber trotzdem ganz gut an den ein- und ausfliegenden Tieren erkennen. Bei aufgebuddelten Nestern liegen meist in der Umgebung Wabenreste herum. Nähere dich solchen Nestern nur mit absoluter Vorsicht und nur, wenn du es nicht vermeiden kannst. Die Wespen sind nach so einem Erlebnis in der Regel auf Krawall gebürstet, was ja auch durchaus verständlich ist.

Trotz aller Horrorgeschichten muss ich jetzt aber doch noch eine Lanze für die Wespen brechen:

Zunächst mal sind alle Wespenarten friedlich, solange man sie in Ruhe lässt. Das gilt im Übrigen auch für Bienen und Hummeln und für Hornissen.

Problematisch wird es nur, wenn man sie stört oder bedroht – ob man in so einem Fall einfach nur unachtsam war oder zur falschen Zeit am falschen Ort, nachdem sich der Dachs das Nest vorgeknöpft hat, spielt für die Wespen keine Rolle. Wirklich anstrengend wird in diesem Fall aber eigentlich nur die oben erwähnte Art, die zugleich auch eine sehr häufige Art in Deutschland ist. Die anderen Arten sind wesentlich friedfertiger und leider oft auch deutlich seltener.

Hornissen sind eigentlich nur groß und ansonsten friedlich. Ich treffe häufiger welche im Wald und auch die Nähe eines Hornissennestes ist kein Problem, solange ich mich an die Spielregeln halte (Abstand halten, ruhig bleiben, nicht panisch um sich schlagen). Bist du in der Nähe eines Hornissennestes, kann es sein, dass einzelne Hornissen eine Weile um dich herum fliegen, um dich einschätzen zu können. Bleib cool und entferne dich langsam und ruhig. Dann wirst du mit Sicherheit für harmlos befunden und die Hornisse fliegt ihres Weges.

Bienen und Hummeln sind in der Regel komplett harmlos, wenn man nicht gerade auf sie drauf tritt.

Also überhaupt kein Grund zur Panik.

Wenn du auf Stiche allergisch reagierst, sieht die Sache natürlich etwas anders aus. In diesem Fall solltest du immer dein Notfall-Set dabei haben und ggf. einer Begleitung sagen, wo es in deinem Rucksack sitzt, damit im Falle eines Falles schnell gehandelt werden kann. Aber auch hier ist Panik das falsche Signal. Ruhe und gebührender Abstand helfen mehr.

Im Übrigen stehen Bienen, Hummeln, Hornissen und Wespen unter Schutz und dürfen nicht belästigt oder getötet werden. Das Entfernen von Nestern gehört in die Hände eines Fachmanns. Der kann auch beurteilen, ob von dem Nest eine Gefahr ausgeht.

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