Raus aus der Komfortzone…

Kalt? Jaaa, aber trotzdem schön!

Kalt? Jaaa, aber trotzdem schön!

oder wie du lernst, mit schlechtem Wetter umzugehen

Das Wetter ist einer der häufigsten Gründe, warum wir nicht raus gehen. Es ist kalt, windig, es regnet, es ist zu heiß und so weiter. Klar, wenn draußen ein Orkan tobt oder ein Schneesturm, dann müsste man schon mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn man draußen unnötigerweise rumspringt und seine Gesundheit aufs Spiel setzt. Nein, ich meine das normale Wetter, das uns auch viel zu oft vom Rausgehen abhält. Dabei ist es eigentlich sogar gesund, wenn du deinen inneren Schweinehund überwindest und dem Wetter trotzt.

Das Problem mit dem Wetter ist nicht das Wetter.

Während meiner Wildnisausbildung sollten wir jeden Morgen um kurz nach sieben auf unserem Sitzplatz allein im Wald sein. Egal, ob es noch dunkel oder schon hell war und ob die Sonne schien, es regnete, neblig und kalt war oder stürmte. Klingt erst mal sehr ungemütlich, bei Kälte und Regen aus dem warmen Schlafsack zu kriechen und sich draußen in den Regen zu setzen. Trotzdem: Es war großartig (wenn ich erst mal draußen war). Nach anfänglichen „Pannen“ hatte ich bald den Bogen raus und keine Probleme mehr, draußen auch bei Regen oder bei Minusgraden eine Stunde auf meinem Sitzplatz zu bleiben.

Die Erkenntnisse, die mir dabei geholfen haben, sind recht simpel.

Erstens: Sorge gut für dich

Das betrifft vor allem das Wissen darum, was du brauchst um draußen eine gute Zeit zu haben.

Nach der ersten Sitzplatzzeit mit schlechtem Wetter war mir klar, dass ich mich auf das Draußensein nicht richtig vorbereitet hatte, weil mir kalt wurde und ich anschließend nass war. Ich hatte ja vorher gewusst, was ansteht. Selbst schuld. Also passte ich meine Kleidung an, nahm zusätzlich ein weiches Fell als Sitzkissen, einen Poncho sowie einen weiten Regenschutz mit. Das war nicht unbedingt die neueste Mode. Was zählte, war die Funktionalität (so kamen einige alte Kleidungsstücke von mir zu neuen Ehren).

Was brauchst du?

Wenn du weißt, dass du bei Wind Ohrenschmerzen bekommst, denke rechtzeitig an eine dicke Mütze. Wenn du schnell frierst, sorge für eine Thermoskanne mit warmem Tee oder eine zusätzliche Fleecejacke. Wenn du dein Kuscheltier brauchst, nimm es mit (und kümmere dich einen Dreck darum, was andere sagen. Es ist für dich wichtig und damit basta). Kurz: Mach dir das Leben draußen so angenehm wie möglich, nimm deine Bedürfnisse wahr und kümmere dich um sie. Und zwar, bevor du raus gehst.


Zweitens: Ändere deine Einstellung zum Wetter

Besch…eidenes Wetter heute, oder?“ Das liebste Thema in unserer Gesellschaft ist, über das Wetter herzuziehen. Eine völlig sinnlose Aktion (aber dazu hat jeder was zu sagen). Nebenbei färbt diese Nörgelei auf unser Empfinden ab: Wenn man sich ständig über das Wetter ärgert, dann nimmt man es auch nur noch negativ wahr.

Das Wetter ist, wie es ist und wir können es zum Glück nicht ändern (auch wenn einige Leute das Gegenteil behaupten). Also fahren wir am besten, wenn wir es einfach akzeptieren und uns nicht darüber ärgern, wenn wir mal nass werden. Das Wetter sollte uns nicht von unseren Vorhaben abhalten (solange es nicht gefährlich ist) und uns schon mal gar nicht die Laune verderben.

Drittens: Erweitere deine Grenzen

Wenn du aus einem warmen Raum in die Frostluft kommst, ist dir draußen trotz guter Klamotten zunächst mal kalt. Das kommt daher, dass der Körper sich erst auf die neue Situation einstellen muss. Das dauert ein paar Minuten, je nachdem, wie gut dein Körper darauf trainiert ist, sich an die neuen Reize anzupassen.

Wer sich ständig in Räumen mit Wohlfühltemperatur aufhält, kann sich nicht so gut an sich verändernde Temperaturen anpassen. Er friert, wenn andere die Kälte gar nicht weiter wahrnehmen (und wird meist auch schneller krank). Jemand, der seinen Körper regelmäßig wechselnden Temperaturreizen aussetzt, kann mit Kälte oder auch Hitze besser umgehen und hat zudem auch oftmals weniger Ärger mit lästigem Schnupfen oder Kreislaufproblemen. Das nennt man dann „Abhärtung“, auch wenn das ein komischer Begriff ist.

Wo ist deine Grenze?

Schule deine Wahrnehmung: Ab wann wird dir richtig kalt und was ist nur leichtes Unbehagen? Wichtig ist, dass du nicht sofort wieder ins Haus gehst, sobald du minimal aus deiner Temperatur-Komfortzone herauskommst. Versuche, das unangenehme Gefühl auszuhalten. So erweiterst du nach und nach deine Grenze und trainierst auch deinen Körper, sich an verschiedene Temperaturbereiche anzupassen.

Allerdings bedeutet das nicht, sich den Elementen auszusetzen, bis du komplett durchnässt oder blau gefroren bist. Es geht darum, sich deiner Grenze anzunähern und sie vorsichtig Schritt für Schritt zu erweitern. Genau wie beim Yoga solltest du diese Grenze nicht rücksichtslos überschreiten, um einen Schaden zu vermeiden.

Nach einem gewissen „Training“ kannst du über sogenanntes schlechtes Wetter dann nur noch entspannt lächeln und trotzdem draußen deinen Spaß haben.



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