Sicherheit geht vor

"Frauen"-Erste-Hilfe-Täschchen mit allem, was nötig ist.

„Frauen“-Erste-Hilfe-Täschchen mit allem, was nötig ist.

Als erstes vorweg: Ich möchte dir mit diesen Tipps nicht den unbeschwerten Waldspaziergang vermiesen, so dass du dich nicht mehr raus traust. Trotzdem schadet es nicht, sich einmal kurz über deine Sicherheit Gedanken zu machen und das für dich Passende daraus mitzunehmen. Die Tipps gelten für mehrstündige Aufenthalte im Gelände, aber auch für den Spaziergang im Wald.

Wenn du gerne draußen unterwegs bist, vor allem allein, ist deine Sicherheit ein wichtiger Aspekt, der an erster Stelle stehen sollte. Wenn das bei dir sowieso der Fall ist, prima, dann erzähle ich dir sicher nichts Neues mehr und du kannst zum nächsten Artikel wechseln.

Ansonsten gibt es ein paar einfache Grundregeln zu beachten.

Punkt eins: Bereite dich richtig vor.

Dazu gehört ein Blick auf die Wetterkarte, welches Wetter und welche Temperaturen in den nächsten Stunden zu erwarten sind. Dementsprechend solltest du deine Kleidung passend auswählen. Klingt trivial, wird aber erstaunlich oft nicht beachtet. „Passend“ bedeutet, dass du bei Regen eine regendichte Jacke und wetterfeste Schuhe tragen solltest. Bei Hitze sind Sonnenschutz für den Kopf, Sonnencreme und ausreichend Wasser mitzunehmen. Bei Kälte und Wind brauchst du zusätzlich zur warmen Jacke und Hose einen Schal, Mütze und Handschuhe.

Des weiteren überlege, wo du hingehst, was du vorhast und wie lange du draußen sein wirst und wähle deine Ausrüstung passend dazu. Straßenschuhe sind im matschigen Wald schnell hin und taugen nichts, wenn du auf einen rutschigen Hang triffst. Ein verstauchter Knöchel aufgrund ungeeigneter Schuhe kann, wenn du allein im Wald bist und nicht mehr auftreten kannst, richtig lästig werden. Nasse Klamotten können dir ebenfalls schnell den Tag vermiesen, wenn du klatschnass und weit entfernt von Haus oder Auto im kalten Wind stehst.

Wer sich jetzt ob dieser Tipps totlacht, wird vermutlich auch nicht glauben, was ich schon so alles an „Ausrüstung“ im Gelände erlebt habe: Sogenannte „Regenjacken“, die nach zwei Minuten durch waren und deren Besitzer daraufhin jämmerlich froren, Leute ohne Wasser, Hut und Sonnencreme bei 35 Grad, aber mit sattem Sonnenbrand, oder ohne Mütze bei eisigem Wind (die Ohrenentzündung folgte auf dem Fuß), jemanden mit eleganten Lederschühchen „offroad“ im Gelände, der danach gar nicht mehr elegant aussah, ein anderer, der mit Straßenschuhen eine Tageswanderung mitmachte und nach ein paar Stunden vor lauter blutiger Blasen nicht mehr laufen konnte und mit dem Auto abtransportiert werden musste, und – die Krönung – Leute mit Sandalen (!) auf einem engen Pfad im Hochgebirge und bei einer Vulkanbesteigung. Ob die heile angekommen sind, weiß ich nicht, aber es gibt genug Geschichten, wo so eine „Beschuhung“ bzw. unpassende Ausrüstung Menschen im Gebirge und besonders an Vulkanen das Leben gekostet hat.

So trivial sind diese Tipps dann offenbar doch nicht, denn bei einigen scheinen sie noch nicht angekommen zu sein.

Punkt zwei: Hinterlasse bei Angehörigen, Freunden, Nachbarn einen kurzen Hinweis, wo du hingehst und wann du etwa zurück sein wirst. Hinterlasse auch deine Mobilfunknummer.

Das gilt für die Tagestour ebenso wie für einen Spaziergang im Wald. Denn nur, wenn jemand weiß, dass du unterwegs bist, kann er auch zeitnah bemerken, dass du noch nicht wieder da bist. Gut, wenn er dann auch noch weiß, in welchem Gebiet du dich voraussichtlich aufhältst.

Punkt drei: Habe diese Dinge immer bei dir.

Dazu gehören zunächst als Minimalausrüstung der Personalausweis, die Krankenkassenkarte und das Handy mit geladenem (!) Akku und den wichtigsten Nummern eingespeichert. Ein kleiner Erste-Hilfe-Beutel mit Pflaster, Wundspray und Zeckenzange kann auch nicht schaden. Noch besser: Wenn du länger weg bist, nimm auch eine Mullbinde, einen sterilen Wundverband und eine Rettungsdecke mit. Und: Habe immer etwas Trinkwasser dabei, zum Beispiel in einer von diesen 0,5 l – PET-Flaschen. Die kann man ja bequem mehrfach verwenden.

Tipp: Mach dir ein kleines Täschchen zurecht (ein Täschchen, Frauen lieben Täschchen, ich auch 🙂 ), in dem du deine Mini-Erste-Hilfe-Sachen verstaust. Dann hast du alles immer griffbereit. Meine Mini-Erste-Hilfe-Tasche ist eine kleine Gürteltasche vom Mittelaltermarkt.

Punkt vier: Überprüfe deinen Tetanus-Impfschutz.

Tetanus (oder Wundstarrkrampf) ist eine Infektionskrankheit, die durchaus tödlich verlaufen kann und die du nicht haben möchtest. Tetanus-Bakterien (hören auf den Namen Clostridium tetani) sind überall im Boden verteilt, auch bei uns. Infektionsgefahr besteht, wenn du dich verletzt und dabei Erde oder sonstiger Schmutz in die Wunde kommt. Die Gefahr geht dabei weniger von größeren Wunden aus, mit denen du sowieso zeitnah zum Arzt gehst. Denn der wird deine Wunde fachgerecht reinigen, dich 100prozentig nach deinem Impfschutz fragen und ggf. nachimpfen. Schlimmer sind die kleinen Wunden, die du vielleicht nicht gründlich genug säuberst, bevor du ein Pflaster drauf klebst und sie wieder vergisst. Die einfachste Methode, sich damit keinen Ärger einzufangen, ist eine regelmäßige Auffrischung deiner Tetanus-Impfung alle 10 Jahre.

Punkt fünf: Schütze dich vor Zecken.

Zecken sind wohl mit die gefährlichsten Tierchen, denen du in Deutschland begegnen kannst, denn sie können schwere Infektionskrankheiten wie FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis, eine Gehirnhautentzündung) und die berüchtigte Lyme-Borreliose übertragen.

Die Virusinfektion FSME tritt vor allem in Süddeutschland auf und kann bei schwerem Verlauf langfristig Schäden hinterlassen. Nach einem Stich durch eine infizierte Zecke gelangen die Erreger schnell in die Blutbahn (Borrelia-Bakterien brauchen hingegen bis zu 12 Stunden). Erste Symptome sind Fieber und Kopfschmerz, wie bei einer Grippe. Man kann sich inzwischen impfen lassen, was bei Menschen, die in Risikogebieten viel draußen sind, sehr sinnvoll ist. Auskunft erteilt hier der Hausarzt.

Gegen Lyme-Borreliose, die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi ausgelöst wird, gibt es bisher keine Impfung. Da ihre Symptome nicht immer eindeutig sind, ist es oft auch schwer, sie zu diagnostizieren. Auffälligstes Merkmal ist ein roter Ring um die Einstichstelle, die Wanderröte, die nach Tagen bis Wochen erscheinen kann. Sie tritt aber nicht immer auf. Andere Symptome können auch hier Fieber, Kopfschmerz oder Müdigkeit sein.

Wenn du dich in den Tagen nach einem Zeckenstich unwohl fühlst, solltest du vorsichtshalber einen Arzt aufsuchen.

Wie kannst du dich vor einem Zeckenstich schützen?

Zunächst einmal solltest du wissen, dass Zecken durchaus auch im Winter aktiv sein können. Immer wenn die Temperatur über 8 Grad steigt, können theoretisch auch Zecken unterwegs sein. Sie sitzen am liebsten im Laub oder im hohen Gras (also nix mit „von Bäumen fallen“) und lassen sich von da abstreifen. Ein guter Schutz ist daher, die Hosenbeine in die Socken zu stecken oder Stulpen zu tragen. Das (möglichst langärmelige) Hemd kommt in die Hose, da die winzigen Zecken auch bequem außen an der Hose hochkrabbeln und dann unter das Hemd schlüpfen können. Helle Kleidung hilft, sie rechtzeitig zu entdecken, setzt aber voraus, dass du regelmäßig rundum an dir herunter schaust. Insektenschutzmittel sind ebenfalls das Mittel der Wahl. Nach dem Ausflug in die Natur solltest du dich gründlich absuchen und duschen oder baden. Zecken krabbeln für gewöhnlich erstmal lange herum (bis zu mehreren Stunden), bis sie zustechen. Bevorzugte Stellen sind beispielsweise Achselhöhlen und Kniekehlen.

Die meiste Zeckenstiche, die ich mir eingefangen habe, kamen übrigens durch das Laufen über die Pferdeweide oder durch das Hochheben von Hunden oder Katzen. Also alles Dinge, die man mal eben macht und wobei man nicht unbedingt an Zecken denkt.

Wenn es doch mal passiert…

Keine Panik. Wird die Zecke früh entdeckt, hat sie womöglich noch wenig Speichel (in dem sitzen die FSME-Erreger) bzw. noch keine Borrelien abgegeben. Auch ist längst nicht jede Zecke infiziert. Bist du gut vorbereitet, dann hast du immer eine Zeckenzange und idealerweise ein Wund-Desinfektionsspray dabei und kannst sofort „operieren“. Bist du geimpft, kannst du zudem zumindest in Bezug auf FSME entkrampfen.

Beim Entfernen wird bitte weder am Hinterleib gedrückt noch mit Salbe erstickt oder geschraubt und gedreht. Der kleine Übeltäter wird mit der Zange dicht an der Haut gepackt und langsam und vorsichtig möglichst senkrecht ausgerupft (die sitzen im übrigen durchaus fest, diese Zecken, es kann also auch ein zweiter und dritter Versuch nötig sein). Keine Sorge, wenn Reste stecken bleiben, die kommen in der Regel von allein heraus. Nach der „OP“ kommt etwas Wund-Desinfektionsspray oder Jod auf die Stelle. Sie wird in den nächsten Tagen und Wochen regelmäßig in Augenschein genommen, ob sich was verändert. Auch solltest du bei Symptomen wie Fieber, ungewöhnlichem Kopfschmerz, etc. an den Stich denken und gegebenenfalls einen Arzt aufsuchen.

Fazit: Dass dich mal eine Zecke erwischt, ist trotz Vorbeugung nicht immer zu vermeiden. Wichtig ist, dass du danach zeitnah und richtig handelst.

Punkt sechs: Lerne, dich selbst zu verteidigen.

Klingt auch wieder dramatisch. Ich weiß. Du sollst ja auch nicht gleich Weltmeister im Tae Kwon Do werden (obwohl das sicherlich ganz praktisch wäre 🙂 ). Es reicht, wenn du weißt, wie man potentiell gefährliche Situationen erkennt und sie vermeidet oder sich im Notfall angemessen verhält bzw. auch zu verteidigen weiß. Denn wenn du das gelernt hast, dann verleiht dir das eine gewisse Sicherheit, die du auch ausstrahlst.

Auswahl an Kampfkünsten gibt es genug. Achte darauf, eine Technik zu wählen, die eine anwendbare Form der Selbstverteidigung bietet und auf die heutige Situation angepasst werden kann, wie zum Beispiel Krav Maga, Karate oder Jiu Jitsu. Ich selbst habe mal Iaido praktiziert (japanischer Schwertkampf mit Metallschwertern). Ist eine tolle Kampfkunst, aber als Selbstverteidigung nicht wirklich nützlich, es sei denn, man erwartet einen Angriff mit Langschwert und hat sein eigenes dabei. Seitdem habe ich Kung Fu und Aikido praktiziert und werde bei Gelegenheit wohl mal Krav Maga testen.

Allerdings muss ich dazu noch erwähnen, dass ein einziges Wochenende, an dem man Selbstverteidigung lernt, nicht ausreichen wird. Um auch im Ernstfall richtig zu reagieren, muss kontinuierlich geübt werden. Ist nebenbei bemerkt auch gut für die Fitness.

Ein praktisches Utensil zur Selbstverteidigung ist übrigens die Trillerpfeife. Erstmal ist der Ton so widerlich, dass er alles und jeden kurzzeitig zusammenschrecken lässt. Das kann dir ein paar wertvolle zusätzliche Sekunden verschaffen, die du für dich nutzen kannst, egal ob es sich um einen Menschen oder um einen mies gelaunten Keiler handelt. Zweitens kannst du so andere auf dich aufmerksam machen. Das hilft dir auch, wenn du irgendwo feststeckst oder dich verletzt hast

Pfefferspray und ähnliches halte ich aus meiner Sicht nicht für sinnvoll. Die Gefahr ist zu groß, dass im Falle eines Angriffs der bis dahin vielleicht unbewaffnete Gegner dir das Zeug wegnimmt und es gegen dich einsetzt. Gleiches gilt für Messer, Schreckschusspistolen und was es da sonst noch alles gibt. Also besser Finger weg davon.

Punkt sieben: Höre auf deinen Bauch.

Eine ganz wichtige Lektion. Wenn du das Gefühl hast, dass es dir in dem Nadelwald vor dir zu düster ist oder dass der Baumstamm dein Gewicht vielleicht doch nicht trägt, dass die dunkle Wolke da hinten Ärger verheißen könnte oder dass der Hund oder der Mensch vor dir irgendwie unfreundlich aussieht, nimm es ernst. Meistens hat dein Bauch recht. Das ist übrigens auch die beste Form der Selbstverteidigung: Potentiell gefährliche Situationen frühzeitig zu erkennen (oder zu erahnen) und sich in Sicherheit zu begeben, bevor etwas passiert.

So, mit diesem Bund an Sicherheits-Tipps bist du hoffentlich schon ein wenig mehr auf der sicheren Seite. Dann also Hals- und Beinbruch (so wünscht man sich Glück unter Reitern… sehr ermutigend, ich weiß 😉 ).

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