So bekommst du einen prima Herbarbeleg

HerbarbelegAls Botanikerin habe ich immer mal wieder mit Leuten zu tun, die ein Herbar anlegen müssen/wollen. Manche liefern mir für ihr Herbar irgendwie platt gedrückte Pflanzen, die sie noch nicht bestimmt haben (großer Fehler!) und jetzt nicht mehr bestimmen können. Da in dem Klumpen aus Blüten und Blättern aber nichts mehr zu erkennen ist, kann ich da oftmals auch die Art nicht mehr sicher bestimmen. Also gebe ich dir hier Tipps an die Hand, wie du einen ordentlichen und anspruchsvollen Herbarbeleg erstellen kannt.

Ein Herbar hat die Aufgabe, das Vorkommen verschiedener Pflanzen an einem Standort zu dokumentieren oder Pflanzenbeispiele bestimmter Nutzpflanzen (zum Beispiel Heilpflanzen) abzubilden, die dann als Anschauungs- und Vergleichsmaterial für die bestimmte Pflanzenart dienen. Dazu ist es notwendig, dass man auch nach dem Pressen alle zur Bestimmung dieser Pflanze wichtigen Teile noch erkennen kann, also mindestens den Aufbau der Blüte mit Blütenblättern, Staubbeuteln, Kelchblättern, etc., den Blütenstand sowie die Form und Anordnung der Laubblätter. Nur dann und in Verbindung mit der Angabe der wichtigsten Daten zu Art, Gattung, Familie, Fundort und natürlich deinem Namen ist ein Herbarbeleg ein wissenschaftlicher Nachweis.

Wie gehst du am besten vor? Nachdem du die entsprechenden Pflanzen gefunden und bestimmt hast, (das ist die allerallererste Tat, so verhinderst du auch, dass du geschützte Pflanzen erwischst, die du nicht sammeln darfst), pflückst du sie möglichst vollständig (bei krautigen Pflanzen mit Wurzel, bei Bäumen und Sträuchern reichen typische Blätter sowie Blüten) und legst sie vorsichtig in eine gut verschließbare Plastiktüte. In dieser Tüte befinden sich außerdem mehrere angefeuchtete Papiertaschentücher. Sie sorgen für hohe Luftfeuchtigkeit innerhalb der Tüte (deswegen sollte sie auch gut verschließbar sein) und zögern somit das Welken der Pflanzen etwas hinaus. Das kommt dir später beim Pressen sehr zugute.

Jede Pflanze bekommt zudem einen Zettel, auf dem zumindest Datum, Fundort und natürlich deutscher und lateinischer Name sowie die Pflanzenfamilie stehen. Ob du Pflanze und Zettel mit je einer Nummer versiehst oder den Zettel an die Pflanze hängst, bleibt dir selbst überlassen.

Am gleichen Tag noch legst du die Pflanzen in eine Pflanzenpresse. In der Regel reicht pro Pflanze ein Bogen Zeitungspapier (ein Bogen hat vier Zeitungsseiten), bei dickeren Pflanzen kann es auch deutlich mehr Papier sein. Wichtig: Verwende keine Zeitungsseiten, die viele dunkle Flächen haben, die Druckerfarbe kann später auf der gepressten Pflanze kleben. Die Pflanzen legst du bereits so in die Presse, dass der Betrachter später die Möglichkeit hat, die Pflanze gut zu erkennen. Das erfordert ein wenig Fummelarbeit, ist aber durchaus machbar. Natürlich kommt neben jede Pflanze das entsprechende Zettelchen mit Name, etc. Die Presse wird anschließend fest verschlossen. Wenn du dir beim Bestimmen nicht ganz sicher warst, kannst du vor dem Pressen auch noch einmal nachbestimmen.

Einen, spätestens aber zwei Tage nachdem die Pflanzen in die Presse gewandert sind, machst du die Presse wieder auf. Die jetzt ziemlich labberigen Pflanzen lassen sich prima noch mal in ihrer Lage korrigieren, um die „Idealposition“ zu erreichen. Bei kleinen, fisseligen Einzelteilen hilft dir eine Pinzette. Auch das jetzt ziemlich vollgesogene Zeitungspapier schreit nach Auswechslung, sonst gibt es womöglich Schimmel.

Anschließend schließt du die Presse wieder und ziehst die Schrauben fest an. Eventuell musst du nach einer Woche nochmal das Papier auswechseln, je nachdem wie saftig die zu pressenden Pflanzen sind. Nach zwei bis drei Wochen kannst du die Pflanzen dann auf einen Herbarbogen kleben (meist ein etwas stärkeres DIN A 4-Blatt). Zum Kleben eignen sich prima schmale Streifen durchsichtiger Klebefilm oder weiße Klebe-Etiketten. Dazu schreibst du die oben erwähnten Angaben. Abheften, und fertig ist der Herbarbeleg.

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