So kannst du Tiere beobachten

Kleiner Bandit: Waschbären bekommt man am ehesten in der Dämmerung zu Gesicht.

Kleiner Bandit: Waschbären bekommt man am ehesten in der Dämmerung zu Gesicht.

Wald, Feld und auch die Siedlungen sind voll von Tieren. Von der kleinen Maus über Igel bis hin zu Rehen oder Füchsen und natürlich jeder Art von Vögeln. Wenn du längere Zeit draußen verbringst, vorzugsweise ruhig und an einer Stelle, wirst du über kurz oder lang Tiere beobachten können.

Die wichtigste Zutat besteht darin, dass du es schaffst, innerlich zur Ruhe zu kommen. Der Sitzplatz ist hier sehr nützlich, weil er dir hilft, zu entspannen und deine Aufmerksamkeit vom inneren Gedankenwust weg und in die Gegenwart zu lenken.

Bei mir tritt dieser Effekt nach etwa einer halben Stunden ein: Die Gedanken rennen nicht mehr im Kreis, die innere Anspannung, die ich im Alltag oft mit mir herum trage, lässt nach. Tiere merken so etwas. Wer innerlich angespannt ist, ist oft unachtsam und meist sehr laut und unruhig.

Klar, dass die Tiere um so einen Störenfried einen großen Bogen machen. Wenn du zur Ruhe kommst, bist du mehr in der Gegenwart und wirst weniger als Störfaktor wahrgenommen. Du bist dann „im Fluss mit der Umgebung“.

Ein weiterer Vorteil, wenn du länger auf einem Platz bleibst: Die Tiere betrachten dich irgendwann als Inventar und akzeptieren deine Anwesenheit, solange du nicht den Frieden störst. Dann wirst du nach und nach schöne Beobachtungen machen können, von der kleinen Maus im Laub über Eichhörnchen und diversen Vögeln bis hin zu Rehen, Füchsen und vielleicht auch mal einem Marder oder sogar einem Damhirsch.

Einer hat immer was zu meckern

Zu Beginn meiner „Sitzung“ werde ich oft erst mal als Störenfried wahrgenommen, was vor allem die Vögel kundtun. So sitzt zum Beispiel der Zaunkönig nur ein paar Meter entfernt und motzt mich an, um kurz darauf fröhlich weiterzusingen. Auch Mönchsgrasmücke und Buntspecht mokieren sich manchmal kurz über meine Gegenwart, wenn sie mich entdecken, um es dann irgendwann zu akzeptieren, dass ich einfach da herum sitze. Und je länger ich da bin, desto weniger wird gemotzt.

Die geeignete Platzwahl

Es gibt allerdings Situationen, wo das Gemecker einen anderen Grund hat: So hatte ich einmal auf einem Baumstamm Platz genommen, als plötzlich über mir ein großes Gezeter losbrach. Offenbar war im Nachbarbaum eine bewohnte Spechthöhle und ich war nach Meinung des Spechts eindeutig zu nahe. Nachdem ich das erkannt hatte, zog ich auf einen anderen Baumstamm ein paar Meter weiter um und es herrschte wieder Ruhe. Etwas Taktgefühl ist also nötig, um Meckern von Meckern zu unterscheiden und die Tiere nicht unnötig zu stressen.

Wenn du dir einen geeigneten Platz suchst, wähle einen, der am Übergang zwischen zwei Landschaftstypen liegt, also zum Beispiel zwischen Wald und Wiese, Wald und Fluss, Wiese und Teich, etc. Du musst dazu nicht mal vom Weg abweichen. Alle Beobachtungen, die ich bisher machen konnte, waren an Wegrändern.

Allerdings solltest du eine Zeit wählen, in der der Weg nicht allzu stark begangen wird. Günstig ist zum Beispiel der Morgen oder der frühe Abend. Achte aber darauf, dass du um diese Zeiten keinen Jäger beim Ansitzen störst.

Wähle ausreichend warme Kleidung mit gedeckten Farben, die nicht raschelt, sobald du dich bewegst. Und nimm eine Unterlage mit, um gemütlich längere Zeit auf deinem Platz sitzen zu können. Der Spaß ist schnell vorbei, wenn du einen nassen oder kalten Hintern bekommst.

Alles eine Frage des Windes

Achte darauf, aus welcher Richtung der Wind kommt. Richte deinen Blick in den Wind, d. h. wenn der Wind dir ins Gesicht weht, können Tiere, die aus dieser Richtung kommen, dich nicht wittern und du hast gute Chancen, etwas zu sehen.

Steht der Wind gut, kannst du zum Beispiel Rehe beobachten, die in der Nähe vorbeiziehen oder sich sogar zum Wiederkäuen niederlassen. Auch Hasen kommen erstaunlich nahe heran, wenn du still sitzt und der Wind günstig steht.

Schlangen sind ebenfalls auf die Windrichtung angewiesen. Sie nehmen Gerüche mit ihrer Zunge auf. Eine junge Ringelnatter, wohl noch etwas naiv, kroch mal in Armeslänge an mir vorbei, als ich am Wegrand auf einem Baumstamm saß. Sie überquerte den Weg und bog dann nach links ab, um direkt vor meinen Füßen entlang zu kriechen. Ein Stückchen weiter bog sie wieder nach links ab, zurück in Richtung Graben. Erst da bekam sie Wind von mir und war blitzschnell verschwunden. Glück für sie, dass ich kein Storch bin.

Tierische Zeichen

Wildwechsel, also vom Wild viel begangenen Wege, sind ein guter Garant dafür, dass du über kurz oder lang Tiere zu Gesicht bekommen wirst. Wenn ein Wildwechsel in der Nähe deines Sitzplatzes liegt, um so besser. Nicht nur Rehe, Hirsche und Wildschweine, sondern auch Räuber wie Marder und Fuchs nutzen sie.

Voll die Kacke: Hier hat ein Baummarder nachdrücklich darauf hingewiesen, dass mein Sitzplatz auf SEINEM Baumstamm liegt.

Voll die Kacke: Hier hat ein Baummarder nachdrücklich darauf hingewiesen, dass mein Sitzplatz auf SEINEM Baumstamm liegt.

Neben Spuren kannst du die Anwesenheit von Raubtieren gut an ihrem Kot feststellen. Füchse und Marder setzen damit Markierungen, um ihr Revier abzugrenzen. Vorsicht insbesondere bei Fuchs- und Waschbärkot: Hier können Parasiteneier enthalten sein. Daher Kot generell nicht anfassen.

Kotmarkierungen findest du oft auf Baumstämmen und mitten auf Wegen oder Wechseln. Sie machen (zumindest ihren Artgenossen) unmissverständlich klar, wer hier der Herr im Hause ist.


Wenn du dir die Zeit für Tierbeobachtungen nimmst, wirst du feststellen, dass es eine sehr (ent)spannende Erfahrung ist. Probiere es einfach mal aus.

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