Von Mücken und anderen Nervensägen

Mücken sind häufig in Wassernähe

Wald und Wasser sind ideale Brutstätten für Mücken

oder wie du am besten mit den kleinen Plagegeistern umgehst.

 

So schön der Sommer auch ist, er hat doch so seine Tücken. Neben Sonnenbrand und Gewitterguss stehen da natürlich die diversen kleinen Blutsauger mit an erster Stelle, die plötzlich überall auftauchen.

Mücken

 

Ich habe es mittlerweile schon fast (aber nur fast!) aufgegeben, ohne Mückenstich aus dem Wald zu kommen. Kaum habe ich den Wald betreten, werde ich schon von einem Mücken-Fanclub umringt, die alle imaginäre kleine Fähnchen schwingen („Herzlich willkommen“ *grins*) und nebenbei schon mal ihre Stechwerkzeuge schärfen.

Natürlich habe ich es schon mit diversen Mittelchen gegen die Mücken-Armada versucht. Manche haben sogar funktioniert, zumindest direkt nach dem Auftragen. Da konnte ich tatsächlich beobachten, wie die kleinen Biester angeschwirrt kamen, in den Dunstkreis des Mittels gerieten, einen flotten U-Turn hinlegten und schleunigst verschwanden.

Allerdings wirkt das Zeug oft nicht lange. Schon nach gefühlt kurzer Zeit kamen sie zurück, in meiner Vorstellung alle mit winzigen Wäscheklammern auf ihren Nasen, und versuchten einen zweiten Angriff, meist mit Erfolg. Auch scheinen manche Mittel, je länger das Datum des Anbrechens her ist, an Wirkung zu verlieren.

Ich hatte bisher nur ein einziges Mückenmittel, das wirklich geholfen hat (hat mir mal jemand in Schweden in die Hand gedrückt, vermutlich aus Mitleid). Leider weiß ich den Namen des Mittelchens nicht mehr, aber ich ahne schon, was drin war. Dazu weiter unten mehr

Hirschlausfliegen

 

Nicht jeder kennt sie, und garantiert keiner möchte sie kennen lernen. Die kleinen braunen Krabbler können ganz besonders lästig werden. Die Hirschlausfliege kennt eigentlich nur ein Motto: Erst mal alles anspringen, was irgendwie nach Warmblüter aussieht. Dann wird sich munter im Fell (bei uns Menschen gerne am Haaransatz) festgekrallt und anschließend werden die Flügelchen abgeworfen.

Manch einer Hirschlausfliege scheint es daraufhin zu dämmern, dass ich gar kein Hirsch bin (schön gesehen!). Das interessiert sie leider wenig. Sollte es aber, denn im Gegensatz zu Hirschen habe ich Hände und kann sie wegschnippen. Falls das nicht zeitnah klappt, kann sie allerdings lästigerweise zustechen und (in seltenen Fällen) sogar Krankheiten übertragen.

Die kleinen Viecher sind leicht zu bemerken, weil sie erst mal aufgeregt auf einem herum krabbeln. Gut zu erkennen sind sie an ihrem braunen, plattgedrückten Körper (ja, der ist schon vor dem Zuschlagen platt). Hauptnervzeit für die kleinen Biester ist der Frühherbst (September – Oktober). Dann können sie gleich scharenweise über einen herfallen.

Bremsen

 

Die nächste Kategorie an Nervensägen. Bremsen können bekanntermaßen ziemlich schmerzhaft zustechen und dann fließt oftmals auch noch Blut (sie sind halt etwas grobmotorisch im Vergleich zu Mücken). Dabei bin ich mir nicht sicher, ob sie jetzt eher clever oder doof sind. Oft beobachte ich Bremsen, die auf dem Zaumzeug meines Pferdes sitzen und mit Hingabe auf dem Leder herum bohren, bis der Rüssel krumm ist. Andere wiederum landen listig auf meinem Rücken und pieken ungerührt auch durch mehrere Lagen Stoff hindurch.

Aber meine ganz besondere „Freundin“ ist die Goldaugenbremse. Wenn du mal in einer Flussaue oder ähnlichem unterwegs sein solltest und auf einmal laut brummend etwa in Kopfhöhe umkreist wirst, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Goldaugenbremse. Ein Test kann dies bestätigen: Halte einfach deine Hand in die Umlaufbahn und die Bremse wird mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit dagegen knallen.

Wenn du den kleinen (anscheinend etwas kurzsichtigen) Brummkreisel gewähren lässt, wird er dich noch einige Zeit weiter umfliegen, um dann irgendwann zu landen und umständlich zu überlegen, wo er denn jetzt am besten zustechen könnte. Wenn du ihn bis dahin noch nicht losgeworden bist, sticht er tatsächlich zu (und kann natürlich, wenn auch sehr selten, Krankheiten übertragen). Das einzige Mal, wo eine Goldaugenbremse es geschafft hat, mich zu stechen – ich hatte das ständige Gesurre um meinen Kopf irgendwann ausgeblendet – sah mein Daumen kurze Zeit später aus wie ein Wiener Würstchen. Mit etwas Insektengel war die Sache allerdings schnell wieder im Lot. Jetzt bin ich da wachsamer und stoppe das Gekreisel rechtzeitig. Die kleine „Blindfliege“ sieht übrigens tatsächlich eher nach Fliege und so gar nicht nach Bremse aus. Am auffälligsten sind ihre metallisch glänzenden Augen.

Über die kleinen, aber gefährlichen Zecken habe ich hier bereits geschrieben.

Und – ganz wichtig: Wenn einer der Stiche sind entzündet, du dich in den Stunden oder auch Tagen nach einem Insektenstich unwohl fühlst oder sogar Fieber bekommst – sofort ab zum Arzt!

Was kannst du also gegen Mücken und die anderen kleinen Blutsauger tun?

 

Wie oben schon erwähnt, sind Insektenschutzmittel eine Möglichkeit. Je nach Inhaltsstoffen gibt es welche mit ätherischen Ölen und solche mit chemischen Wirkstoffen. Die Crux mit ätherischen Ölen ist, dass sie mit der Zeit verduften oder mit dem in der Flasche befindlichen Sauerstoff reagieren und ihre Wirksamkeit verlieren. Sie sollten daher möglichst frisch sein und nicht schon Monate oder gar Jahre alt. Zudem nützt es nichts, wenn du dich morgens mit dem Zeug eindieselst und dich am späten Nachmittag über den Mückenandrang wunderst. Sprich: Es muss regelmäßig nachgesprüht werden. Aber Vorsicht: „Ätherische Öle“ klingt zwar nach Natur pur, aber auch sie können die Augen reizen oder andere unangenehme Nebenwirkungen haben. Daher vor dem Kauf beraten lassen oder Gebrauchsanweisung lesen.

DEET und andere „chemische Waffen“

Der bekannteste chemische Wirkstoff zur Mückenabwehr ist das DEET (Diethyltoluamid). Er wehrt ein ziemlich breites Spektrum von kleinen Piekern ab, von der alltäglichen Stechmücke (die übrigens auf den schönen Namen Culex pipiens hört – pipiens vielleicht von ihrem hohen Summton, der mich regelmäßig in den Wahnsinn treibt?) bis hin zu Malariamücken und ähnlichem. DEET ist in variierender Konzentration sowohl in Standardmitteln enthalten als auch in Tropenmitteln. Wie der Name schon sagt (Diethyltoluamid), ist da etwas Toluol-Verwandtes enthalten. Toluol ist ein Lösungsmittel, gehört zu den aromatischen Kohlenwasserstoffen und ist nicht wirklich gesund. Daher sollte DEET von Schwangeren und Kleinkindern nicht verwendet werden und auch von gesunden Erwachsenen je nach Wirkstoffgehalt (bis zu 50 Prozent können drin sein) nur strikt nach Gebrauchsanleitung aufgetragen werden. Immerhin: Ich habe neulich die Tropenvariante ausprobiert (also 50 % DEET) und konnte tatsächlich unbelästigt und ärmellos durch den Wald spazieren, auch wenn ich mir wie eine wandelnde Sondermülldeponie vorkam.

Wenn du also langsam verzweifelst, kann das eine Alternative sein. Allerdings würde ich es möglichst selten gebrauchen, einfach weil es pure Chemie ist und nicht zu den gesundesten Stoffen gehört. Mittlerweile gibt es auch einen Ersatzstoff namens Icaridin, der besser verträglich sein soll. Ob er wirkt, habe ich noch nicht getestet.

Plan B in punkto Mücken und Co. ist langärmelige Kleidung mit Halstuch und Hut (und in meinem Fall am besten noch Handschuhen). Zugegeben, bei 30 Grad ist das keine wirklich tolle Option. Dann musst du abwägen, was du riskieren willst: Willst du ausgesaugt und voller juckender Stiche nach Hause kommen, womöglich mit einer Borreliose im Gepäck oder willst du chemiefrei etwas schwitzen, dafür aber größtenteils unversehrt bleiben? Ich entscheide mich regelmäßig für Letzteres, aber das muss jeder selber wissen.

P.S.: Falls dich der leichte Sarkasmus in diesem Artikel stört, er entspringt purer Verzweiflung 😉

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